Authentisch führen als Frau: Wie du deine eigene Führungsrolle findest, statt eine Rolle zu spielen
- vor 4 Tagen
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„Ich habe die Position – aber irgendwie fühlt es sich an, als würde ich eine Rolle spielen." Diesen Satz höre ich in unterschiedlichen Varianten immer wieder von Frauen, die eine Führungsaufgabe übernommen haben. Sie sind fachlich exzellent, sie haben sich die Position erarbeitet – und trotzdem nagt etwas: das Gefühl, sich verstellen zu müssen. Härter auftreten, als sie sind. Zweifel verbergen. Beweisen, dass sie „es" können.
Aus meiner eigenen Zeit als Führungskraft und HR-Expertin kenne ich beide Perspektiven: die der Frau, die in eine Führungsrolle hineinwächst, und die der Organisation, die Führung bewertet und befördert. Und ich kann dir sagen: Das Gefühl, zwischen Anpassung und Authentizität zu stehen, ist kein persönliches Defizit. Es ist ein strukturelles Dilemma – und es lässt sich auflösen.
Das Dilemma: Zu weich, zu hart, nie richtig
Frauen in Führung bewegen sich oft in einem schmalen Korridor. Treten sie empathisch und kooperativ auf, gelten sie schnell als „zu nett" für die harten Entscheidungen. Treten sie durchsetzungsstark auf, heißt es, sie seien „schwierig" oder „kühl". Die Forschung nennt das den Double Bind – eine Zwickmühle, in der dasselbe Verhalten bei Männern als Führungsstärke und bei Frauen als Charakterschwäche gelesen wird.
Viele Frauen reagieren darauf mit einer nachvollziehbaren Strategie: Sie orientieren sich an dem Führungsstil, den sie kennen – oft geprägt von männlichen Vorbildern – und passen sich an. Das funktioniert eine Weile. Aber es kostet enorm viel Energie. Denn eine Rolle zu spielen, ist anstrengend. Und auf Dauer spüren es alle: du selbst, dein Team, deine Wirkung.
Authentizität ist kein Kuschelbegriff
Räumen wir mit einem Missverständnis auf: Authentisch führen heißt nicht, ungefiltert alles zu sagen und zu zeigen, was du fühlst. Es heißt auch nicht, auf Klarheit oder Konsequenz zu verzichten.
Authentisch führen heißt: Deine Art zu führen steht im Einklang mit deinen Werten, deinen Stärken und deiner Persönlichkeit. Du triffst unbequeme Entscheidungen – aber auf deine Weise. Du gibst kritisches Feedback – aber in einer Sprache, die zu dir passt. Der Unterschied ist fundamental: Es geht nicht darum, ob du führst, sondern aus welcher Quelle du führst. Aus Anpassung und Angst – oder aus Klarheit und Selbstvertrauen.
Drei Schritte zu deiner eigenen Führungsidentität
1. Kläre deine Werte – sie sind dein Kompass.
Was ist dir in der Zusammenarbeit wirklich wichtig? Fairness? Entwicklung? Ergebnisse? Ehrlichkeit? Wähle die drei Werte, die für dich nicht verhandelbar sind, und prüfe: Wo lebst du sie bereits in deiner Führung – und wo verrätst du sie gerade, um Erwartungen zu erfüllen? Führungskräfte mit klaren Werten wirken auch in schwierigen Situationen souverän, weil sie nicht bei jeder Entscheidung neu verhandeln müssen, wer sie sein wollen.
2. Führe aus deinen Stärken, nicht gegen deine Schwächen.
Viele Frauen investieren ihre Energie darin, vermeintliche Defizite auszugleichen: lauter werden, dominanter auftreten, weniger Fragen stellen. Drehe den Spieß um. Vielleicht ist deine Stärke, dass du zuhören kannst und dadurch Dinge erfährst, die andere nie hören. Dass du Konflikte früh spürst. Dass du Menschen entwickelst. Das sind keine „Soft Skills" zweiter Klasse – das sind exakt die Führungskompetenzen, die moderne Organisationen dringend brauchen.
3. Übe die klare Kante – in deiner Sprache.
Authentizität entbindet nicht von Klarheit, im Gegenteil: Sie ermöglicht sie erst. Du darfst Erwartungen deutlich formulieren, Nein sagen, Leistung einfordern und Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen. Der Schlüssel liegt darin, deinen eigenen Ton dafür zu finden. Ein klares, ruhiges „Ich habe das anders entschieden, und das sind meine Gründe" ist oft wirksamer als jede antrainierte Dominanzgeste.
Der Umgang mit dem inneren Kritiker
Fast jede Frau in Führung kennt die innere Stimme, die fragt: Bin ich gut genug? Wann fliegt auf, dass ich das eigentlich gar nicht kann? Diese Selbstzweifel – oft als Impostor-Phänomen beschrieben – verschwinden nicht dadurch, dass du noch kompetenter wirst. Sie verlieren ihre Macht, wenn du lernst, sie einzuordnen: als alte Schutzstrategie, nicht als Wahrheit über dich.
Hilfreich ist ein einfacher Realitätscheck: Sammle Fakten statt Gefühle. Welche Ergebnisse hast du erzielt? Welches Feedback hast du bekommen? Was traut man dir offensichtlich zu – sonst hättest du diese Rolle nicht? Selbstvertrauen ist keine Voraussetzung für Führung. Es ist das Ergebnis davon, immer wieder ins Handeln zu kommen und die eigene Wirksamkeit zu erleben.
Deine Führung darf anders aussehen
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Artikels: Du musst nicht die Führungskraft werden, die du irgendwo gesehen hast. Du darfst die Führungskraft werden, die nur du sein kannst. Teams folgen keinen perfekten Rollenbildern – sie folgen Menschen, die klar, verlässlich und echt sind.
Und jedes Mal, wenn eine Frau auf ihre eigene Weise führt, verändert sie nicht nur ihren Alltag. Sie erweitert das Bild davon, wie Führung aussehen kann – für alle Frauen, die nach ihr kommen.
Du bist Führungskraft oder auf dem Weg dorthin und möchtest deine eigene Führungsidentität entwickeln – jenseits von Rollenspielen und Anpassung? Mit meiner Erfahrung als Führungskraft und HR-Expertin begleite ich dich dabei, deinen Weg zu finden. Lass uns in einem Erstgespräch kennenlernen.
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